Gemeindebrief


Gemeindebrief August - September 2011

Sommerpause

Fast jedes Jahr kann man im Juni spüren, dass sich in unserem Land etwas verändert. Es beginnt meist in den Medien. Plötzlich reden und schreiben Journalisten von einem Sommerloch; in den Wochen im Juni und Juli fällt der Begriff immer öfter. Auch wenn wir in unserem südlichen Baden-Württemberg noch längst keine Sommerferien haben, wissen wir: das Sommerloch ist das untrügliche Zeichen, dass sich viele unserer Mitbürger in den nördlichen Bundesländern für kürzere oder längere Zeit in die Sommerpause verabschiedet haben.
Was zurückbleibt, wenn alle in die Ferien fahren, ist scheinbar das Sommerloch … Jetzt, wo sich der Sommer dem Ende zuneigt  beginnen auch bei uns (endlich) die Sommerferien. Viele haben die Möglichkeit, eine Sommerpause einzulegen und für zwei, drei oder sogar vier Wochen selbst in einem Sommerloch zu verschwinden. Doch was macht man eigentlich in dieser Zeit, wo man weder von der Arbeit noch von der Schule geplagt wird?

 
In der Bibel sind mir in der letzten Zeit einige Berichte aufgefallen, die bei uns ihren Platz in der Sommerzeit und in den Ferien hätten. Besonders bei Jesus sind diese Berichte leicht zu finden: Jesus wandert mit seinen Freunden; er besucht Städte; seine Jünger unternehmen Bootstouren; man veranstaltet riesige Picknicks; Jesus trifft sich zum Grillen mit seinen Freunden am See; Jesus nimmt sich Zeit, um ganz alleine zu sein … Richtigerweise muss ich anmerken, dass Jesus mit seinen Jüngern keineswegs ununterbrochen in einem großen Ferienlager war. Dennoch machen diese Berichte aus den Evangelien uns auf Dinge aufmerksam, die für unsere Sommerpause sehr wichtig sind: Zeit mit Freunden verbringen, Zeit für sich ganz alleine und Gott, Momente besonderer Herausforderungen, Erfahrungen sammeln abseits des normalen Alltags. Wir brauchen diese Zeiten, in denen wir aus dem normalen Alltagstrott ausbrechen können, denn diese Zeiten sind es, die uns für die langen Durststrecken des alltäglichen Kraft geben.

 
Die, wie ich finde, eindrücklichste Feriengeschichte finden wir aber im alten Testament. Es ist die Geschichte von Elia auf der Flucht vor Isebel (1. Könige 19). Der Prophet Elia flieht aus der Arbeit heraus und flieht vor den Menschen. Er bricht aus dem ganz normalen Prophetendasein aus und läuft in die Wüste. Dort will er nur noch sterben, er hat genug. Vielen geht es so vor den Ferien: Es ist wie ein Flucht vor den Umständen, den anderen Leuten, der Umgebung. Einfach weg von da, wo man immer ist. Und dann wünscht man sich nicht den Tod, aber wenn man nie wieder zurück müsste, das wäre schön und befreiend!  Aber Gott lässt Elia nicht sterben.

 
Und er [=Elia] legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. (1. Könige 19,5-7)

 
Die Geschichte des Propheten nimmt an dieser Stelle eine interessante Wendung: Gott gibt ihm durch einen Engel zu essen und zu trinken, und er lässt den Propheten ausschlafen. Es sind die leiblichen Bedürfnisse, die in diesem Moment gestillt werden. Nach dieser Unterbrechung war Elia so gestärkt, dass er 40 Tage durch die Wüste wandern konnte bis zum Berg Horeb, wo er eine ganz besondere Gotteserfahrung machte.
Ich bin mir sicher, es sind die einfachen Dinge, die wir aus Gottes Hand bekommen, die uns stark machen, um im Alltag zu bestehen - vielleicht auch die gefühlte 40tägige Wanderung durch eine Wüste. Einfache Dinge wie Ausschlafen, gut essen und trinken und auch ohne jegliche Verpflichtungen einmal einfach abschalten können.

 
Ich wünsche Ihnen, dass sie solche stärkenden Sommerpausen-Erfahrungen machen: Schöne Erlebnisse, wie Jesus sie mit seinen Jüngern erlebt hat; aber auch erholsame Erfahrungen, wie bei Elia. Auch wenn es nur zwei oder drei Tage sind, in denen Ihre Sommerpause stattfindet, lassen Sie sich in dieser Zeit von Gott stärken für den Alltag.

 
Ich wünsche Ihnen auch viele Erlebnisse, wie Jesus sie mit den Jüngern hatte. Hoffentlich können Sie in einigen Wochen sagen: Das war eine richtig gute Sommerpause, eine erfrischende und ermutigende Unterbrechung des Alltags. - Ich habe einiges erlebt, und Gott hat mich gestärkt.
 
Ihr und Euer

 
Roland Eckert