Gemeindedienst


Unser Gemeindedienst besteht zur Zeit aus ca. 30 Frauen.

 

Sie besuchen im Auftrag der Kirchengemeinde Geburtstagsjubilare ab 70 Jahren sowie Kranke und Taufeltern. An Haus- und Wohnungseigentümer überreichen sie zusätzlich Brot und Salz.

 

Der Gemeindebrief wird jeden zweiten Monat von den Frauen ausgetragen.

 

Im Sommer trifft man sich zu einer kleinen Wanderung mit anschließender Einkehr bei Kaffee und Kuchen und in der Adventszeit zu einem besinnlichen Nachmittag.

 

Bei diesem Dienst opfern wir zwar Zeit und Kraft, wir schaffen hierbei aber auch Kontakte, erleben dankbare Mitmenschen und kommen einander näher.

 

Kontaktadresse: Margarete Dölker, Galgenbühl 8, Telefon: 07455 / 8934

Darstellung des Gemeindedienstes beim Gemeindeforum im Juli 2009

 

 

 

 

Bericht über den Gemeindedienst


von Anni Müller

Wertschätzung von Mitmenschen wird seit mehr als 35 Jahren ganz praktisch gelebt.
Wie bringe ich mich als Mitglied des Kirchengemeinderats in meiner Gemeinde ein?
An dieser Frage und Überlegung entzündete sich im Herbst 1971 die Flamme der Nächstenliebe des evangelischen Gemeindedienstes durch Idee und Engagement von Frau Erna Knaus. Sie besuchte mit Frau Elisabeth Vollmer etliche Frauen, um sie für die Mitarbeit zu gewinnen. Alle Gefragten sagten zu.

In der ersten Zeit wurden die älteren und kranken Gemeindeglieder besucht, ein kleines Geschenk, ein Stündchen Zeit um zu reden und sich auszutauschen erfreute sie. Frau Vollmer erweiterte dann noch ihre Arbeit, indem sie jungen Müttern Kuren ins Müttergenesungsheim organisierte und für ältere Gemeindeglieder die Teilnahme an Seniorenfreizeiten ermöglichte. Frau Margret Dölker, 1976 zum Besuchsdienst hinzu gekommen, übernahm 1996 von Frau Knaus die Leitung und füllt dieses Amt bis heute einsatzfreudig, gewissenhaft und kompetent aus.

Derzeit gehören dem Gemeindedienst 32 Frauen an. Die Stadt wurde in fiktive Bezirke eingeteilt und die Frauen besuchen, einzeln oder auch zu zweit, die Gemeindeglieder. "Wir stellen uns auf die Menschen die wir besuchen ein", so sagte mir Margret Dölker im Gespräch. Und so fällt jeder Besuch ganz individuell aus. Ab dem 70. Lebensjahr werden die Jubilare jedes Jahr besucht und für viele ist es eine Freude etwa bei einem kleinen Kaffeekränzchen zu plaudern. Doch auch eine einfache Gratulation mit guten Worten ist durchaus in Ordnung. Fingerspitzengefühl ist gefragt bei diesem Liebesdienst. Bei den Besuchen übergeben, nebst segensreichen Wünschen und einem Geschenk, die Frauen des Gemeindedienstes auch ein ansprechendes, persönliches Gratulationsschreiben des Pfarrers. Auch Einladungen zu kirchlichen Veranstaltungen werden ausgesprochen, so z. B. zu Seniorennachmittagen, Seniorenausflügen, Gottesdiensten u. ä. Selbstverständlich sind auch Besuche im Krankenhaus (soweit der Aufenthalt bekannt) oder am häuslichen Krankenbett, wenn gewünscht. Einfach nur zuhören und Anteil nehmen in diesen oft schwierigen Zeiten, soll den Menschen gut tun.

 Ja, und die Jubilarinnen vom Gemeindedienst werden von Margret Dölker persönlich besucht und beschenkt. So schließt sich der Kreis.
Hat ein Paar oder eine Familie ein Haus gebaut oder gekauft, einfach neu Wohnung genommen in Dornhan, wird ihnen vom Gemeindedienst Brot und Salz überreicht. Brot und Salz - Symbol des Lebens und der Treue - werden mit einer Karte in einem Brotkörbchen mit guten Wünschen der evangelischen Kirchengemeinde überreicht. Dieser Brauch, den sie aus ihrer Heimat kannte, wurde vor vielen Jahren von Frau Edith Bader angeregt und bis heute beibehalten.

 Die Salzsäckchen werden von einer ehemaligen Gemeindedienst-Mitarbeiterin genäht. Und wenn sich ein kleiner Erdenbürger eingefunden hat, dann bekommen seine Eltern ein Paar warme, praktische, äußerst schön gestrickte Babyschuhe zusammen mit einem Gästehandtuch geschenkt. Fast hätte ich es noch vergessen: Auch der Gemeindebrief wird von den Frauen im Zweimonatsrhythmus ausgetragen.

Selbstverständlich wird auch die Geselligkeit untereinander gepflegt, indem, schon traditionell, kurz vor den Sommerferien eine Wanderung nach Fürnsal in's Gasthaus "Rössle" unternommen wird. Bei Kaffee und Kuchen werden Anregungen, Hilfen und Tipps ausgetauscht. Weiterhin gibt es jährlich ein Treffen im Gemeindehaus und zwar zu einer Adventsfeier. Frau Herr hält eine kleine Andacht und mit Singen und einer vorgelesenen Geschichte, bei Brezeln und Hutzelbrot, wird der Besinnung über das abgelaufene Jahr Raum gegeben.
Im Sommer 2007 wurde auf dem Kirchplatz das 35jährige Bestehen des Gemeindedienstes gefeiert. Viele "Ehemalige" und Aktive kamen zu ihrem schönen Fest. 35 Jahre sind eine relativ lange Zeitspanne und immer waren Frauen bereit, sich einbinden zu lassen in dieses Dienen.
Die liebevollen Gesten, die geschenkte Aufmerksamkeit und die aufgewendete Zeit, das sind die wahren Geschenke, die die Frauen des Gemeindedienstes überbringen und in dem sie sie hergeben, kommt die Freude zu ihnen zurück.

Jeder kann seine Gaben einbringen
 
Bericht von Frau Elisabeth Vollmer im Gottesdienst anlässlich des 35-jährigen Jubiläums des Gemeindedienstes am 8. Juli 2007:

 

In unsere Gemeinde kam nach längerer Vakanzzeit im Januar 1971 ein neuer Pfarrer, Herr Brunkow. Im Herbst des selben Jahres sollten Kirchenwahlen stattfinden.
Herr Brunkow fragte mich eines Tages, ob ich mich nicht für den Kirchengemeinderat aufstellen lassen würde. Ich wusste nicht so recht, ob ich mich für so eine Aufgabe eignen würde, willigte aber dann doch ein. Ich wurde gewählt und hoffte, mich einbringen zu können in die Gemeindearbeit.

Unser Pfarrer lud uns zu einem Einführungswochenende nach Königsfeld ein.
Er bat uns, wir sollten uns schon vorher überlegen wie und wo wir uns einbringen wollten, um einen Dienst für die Gemeinde zu übernehmen. Ich wollte meine Zeit und Kraft gerne für die Jugend einsetzen, da mir junge Menschen sehr wichtig waren und sind!

Als wir uns dann in Königsfeld vorgestellt hatten, begann Herr Brunkow mit einer Andacht über die Gaben, die ich nie vergessen werde. Ich glaube, der Text war über die Worte, die Petrus in seinem 1. Brief der Gemeinde ans Herz legte: "Dienet einander mit Freuden, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes."
Herr Brunkow betonte, dass es nicht gute und schlechte Gaben gibt, sondern dass alle Gaben gut sind, die wir von Gott geschenkt bekommen. Alle Gaben sind gut aber nicht alle gleich! Wir brachen auf mit den Gaben, die uns Gott zur Verfügung stellte, unsere Aufgaben zu beginnen. Nun wurden meine Bedenken ausgeräumt und ich bekam Mut zum Tun.

Als unser Pfarrer uns dann fragte, was wir uns überlegt hätten, gab ich gerne meine Antwort, dass ich für die Jugend da sein wollte.
Frau Knaus, die mit mir im neuen Kirchengemeinderat war, wollte einen Gemeinde- und Besuchsdienst aufbauen. Sie hatte sich schon sehr gut vorbereitet. Als sie ihre Antwort gab, fasste sie nach meinem Arm, wendete sich an mich und sagte, sie sind natürlich auch dabei!

Da Frau Knaus ein großes Organisationstalent besaß, hatte sie bereits im Voraus einen Plan aufgestellt und unser Städtle in Bezirke aufgeteilt. Sie hatte schon mehrere Frauen zu dieser Aufgabe ermuntert und nahm mich dann mit, was fehlte, noch zusammen zu bringen. Schon nach kurzer Zeit konnte sie für jeden Bezirk einen Namen einsetzen.


Das war ihre spezielle Gabe. Ich will nicht vergessen, dass Gundelshausen und Busenweiler mit einbezogen waren. Als Mann in unserer Runde hatte sich Hermann Glück gemeldet.

Schon nach kurzer Zeit hatten wir uns mit der neuen Aufgabe vertraut gemacht und in vielen Bereichen zusammen gewirkt. Jeder hatte sich mit seinen Gaben eingebracht.


Ich war immer sehr stolz, wenn ich bei Tagungen erzählen konnte, dass wir in Dornhan einen gut funktionierenden Gemeindedienst hatten. Nur selten war dies von anderen Gemeinden bekannt.
Ich muss zugeben, dass ich bei meinem ersten Besuch schon ein wenig Herzklopfen hatte. Wie würde ich aufgenommen werden? Ich kannte viele Leute noch nicht oder nur vom Sehen. Ich wollte vor allem Liebe und ein wenig Freude mitbringen. Ich war beglückt, freundlich aufgenommen zu werden und habe bald viel Freunde gefunden. Ich hatte nun auch meine Gaben entdeckt und es war sehr schön für mich, Gottes Mitarbeiterin zu sein.

In den 18 Jahren, in denen ich im Kirchengemeinderat mitgearbeitet habe, habe ich viel lernen können. Manchmal konnte ich irgendwo helfen. In besonderen Notfällen wandte ich mich an die Diakonische Bezirksstelle in Sulz, wo Herr Kaiser damals schon mit Frau Jung vielen Menschen mit Rat und Tat beigestanden ist. Auch ich bekam Hilfe und bin Herrn Kaiser noch heute dankbar.

Später kam eine Zeit, in der es in der eigenen Familie manches Leid gab durch Krankheit und Unfälle. Nun wurde ich von meinen Kindern gebraucht und war oft wochenlang fort. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich dadurch meinen Besuchen nicht nachkam. Oft konnte ich nur einen Geburtstagsbrief schicken. Da kam eine große Hilfe für mich. Schwester Else Bühner, die viele Jahre im Bethel-Krankenhaus in Trossingen wirkte, kam in den Ruhestand und zog in ihre hiesige Heimat, ganz in meine Nachbarschaft. Als ich sie fragte, ob sie meinen Bezirk im Gemeindedienst übernehmen würde, hat sie eingewilligt und viele Jahre diesen Dienst mit viel Engagement und Liebe versehen.
Ich möchte ihr heute nochmals ganz herzlich dafür danken.

Zum Schluss möchte ich alle Frauen, die vielleicht noch zaudern, ermutigen, sich doch für den Dienst in der Gemeinde zur Verfügung zu stellen, sowohl im Gemeindedienst, als auch als Kirchengemeinderätin.

Ich kann von mir nur sagen, es war eine gute und reiche Zeit, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.