Rund um die Kirche

Die verschiedenen Baustile der Marienkirche:

 

Der gedrungene Kirchturm (36 m hoch) mit seinen Rundfenstern sowie den großen Buckelquadersteinen (schön zu sehen an der Nordseite!), sowie die vier erhaltenen Kleinskulpturen zeugen vom romanischen Ursprung unserer Kirche.

 

 

 

1510 wurde durch einen großen Stadtbrand ein Neubau unserer Kirche im gotischen Stil nötig. (Höherer Bau, zum Himmel strebend, schlanke Fenster, der Chor mit seiner Bemalung).

Das Eingangstor auf der Nordseite, zur Wieder-Einweihung der Kirche 1719 nach dem großen Stadtbrand von 1718 ist im barocken Stil gehalten (Verzierungen, pausbäckige Engel).



Steinmetzzeichen

 

An den Steinen bei der Süd- und Ostwand können wir noch die Steinmetzzeichen sehen.

Die uralten romanischen Skulpturen:

Im Osten, vor dem Fenster des Chores:


ein Gesicht, ähnlich den Gesichtern des Hirsauer "Eulenturms" (11. Jahrhundert). Es schaut nach OSTEN, um die Lichtskräfte der Sonne, der Auferstehung Christi, in sich aufzunehmen. Gleichzeitig hat es die Backen aufgeblasen. Es will die bösen Geister oder Dämonen "wegblasen". (Epheser 6, 12: wir haben mit den bösen Geistern unter dem Himmel zu kämpfen).

 

Die Menschen vor 1000 Jahren sahen die ganze Welt von bösen Geistern erfüllt und fühlten sich bedroht. Dazu kam, dass die Kirche damals vom Friedhof umgeben war, wo man mit dem Tod zu tun hatte und auch "unerlöster Geister" von Toten fürchtete.

Solche Skulpturen wie die am Chor sollten die bösen Geister abschrecken und vertreiben.

 

Außen am Chor, auf der Orgelseite, am Dachtrauf:

Das "Eulengesicht": vielleicht soll es die bösen Geister in Form von Fledermäusen vertreiben.

Mit diesen Eisenkeilen konnte der Chor 1880 vor dem Einsturz bewahrt werden.

Sakristeiaußenwand:

Der romanische Löwe auf dem Fenstersims (leider an den Füßen schlecht restauriert!).

Löwen sind seit alter Zeit Wächter des Heiligtums.

Unter dem Sakristeigesims:

Hier ist das älteste Zeugnis von Kunst in Dornhan überhaupt!

Sicher noch älter als die drei anderen Skulpturen. Aufgeblasene Backen, um die bösen Geister zu verscheuchen. Als "Wasserspeier" diente es viel später, wie es überhaupt bestimmt nicht seinen ursprünglichen Ort hier hatte!

Wie alt mag diese Skulptur sein?

Ich schätze als Laie: 11. Jahrhundert oder noch früher.

Der Friedhof

War ursprünglich wie bei jeder Kirche um die Kirche herum angelegt. Wenn wir über den Kirchplatz gehen, schreiten wir über Totengebeine. Bei der Renovierung der Kirche 1964/65 fanden sich denn auch immer wieder Totengebeine. Ein "Beinhaus", wo die Knochen der Toten gestapelt waren, befand sich beim Haus Mutschler.


Es hatte früher einen tiefen Sinn, dass der Friedhof bei der Kirche war. Die Kirche wies mit ihrem Turm auf Christus, den Auferstandenen. In seiner Gegenwart schlafen die Toten im Frieden. Früher gehörten Tod und Leben für die Menschen viel selbstverständlicher zusammen als für uns heute.

Wer zum Gottesdienst ging, ging über den Friedhof, schaute noch beim Grab von Angehörigen vorbei.

 

Wegen Platzmangel wurde der Friedhof in Dornhan immer weiter nach außen verlegt: zuerst in die Betzweilerstraße, dann anfangs der 70er Jahre in die Albert-Schweitzer-Straße.

In den Städten sind die Friedhöfe inzwischen weit "draußen"!