Pfarrer Köhler


Und das meinte Pfarrer Köhler ...

Im Archiv des Pfarramts Dornhan befindet sich ein Unikat, eine einzigartige Sache. Es handelt sich um eine handschriftliche Aufzeichnung aus dem Jahr 1828, angefertigt von dem Marschalkenzimmerner Pfarrer Köhler. Das Heft trägt den Titel: "Versuch einer Beschreibung der Geschichte der Stadt Dornhan."
Auf Seite 3 heißt es:


"Dornhan ist eine kleine, Jahrhunderte schon zu Würtemberg gehörige Stadt, auf dem Schwarzwalde. Sie liegt in gerader Linie zwischen der Stadt Sulz am Neckar und dem Closther Fleken Alpirsbach auf der Mitte, von jedem dieser Orte 2 ½ Stunden entfernt. Die Beschreibung von Dornhan ließe sich großen Theils in negativer Form (!) geben, denn es hat vieles nicht was Städtchen gewöhnlich in Würtemberg zu haben pflegen, nemlich keine lateinische Schule, auch keinen Physikus (Arzt), keine Apotheke, keine Post, keinen Wochenmarkt, keinen Ober-Amtsbezirk, keine Handwerker, als die gemeinsten, wie jeder Fleken auch sie hat u. nicht einmal einen GALGEN (von Pfr. Köhler unterstrichen), weil er schon viele Jahre zusammengefallen u. abgegangen ist. Auch geht keine Chaussee (breite Landstraße) durch Dornhan oder daran vorbei." (Ende des Zitats)
Mensch, würde sich der gute Pfarrer Köhler vergucken, wenn er heute unser Dornhan sähe!


Zwar haben wir noch immer keine lateinische Schule, aber dafür haben wir eine tolle Grund-, Haupt- und Realschule, wo Englisch, Französisch, Mathematik, Computerkunde und Physik gelehrt wird!

Wir haben nicht nur einen Physikus, sondern gleich drei: Die doctores Borrmann, Goldis und Zorob. Was haben wir für eine tolle Stadt-Apotheke! Ja, mit der Post, das ist so eine Sache, früher war sie mal größer, aber immerhin sie läuft ganz ordentlich. Und mit dem Wochenmarkt? Lieber Kollege Köhler, den gibts bei uns und drei große Einkaufsläden, zwei Modengeschäfte und komm erstmal zum Weihnachtsmarkt! Da kommst du aus dem Staunen nicht mehr raus!
Mit dem Ober-Amtsbezirk, ja, das ist auch so eine Sache. Wir haben immerhin  einen Notar.

Wir haben zwar kein Polizeirevier mehr am Ort, aber immerhin wohnen fünf Polizisten bei uns, die passen gut auf. Und die Handwerker! Lieber Kollege Köhler, schau dir bloß mal an, was es alles in den Fachgeschäften zu kaufen gibt und was wir für gestandene Zimmerleute, Maurer und Elektriker wir haben.

Ja, ich versteh, Kollege Köhler, dass Du Dir die Augen ausreibst und nur noch staunen kannst. Bloß nach einem wirst Du vergeblich Ausschau halten, den gibt’s auch heute nicht mehr. Nämlich den Galgen. Den brauchen wir einfach nicht, wir sind alle soweit ganz ordentlich!